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Freitag 17.07.2009
Das große Abenteuer beginnt. Um 9.45 Uhr Peterswörther Ortszeit sind wir losgeflogen um unseren Betreuerstab einzusammeln. Flux eingeladen und los ging´s noch mal zum Wohnmobilverleiher nach Günzburg, damit wir die Auffahrrampen bekommen, die man uns nicht wie versprochen ins Auto gelegt hatte.
Naja, zumindest hatte ich vorgestern doch noch unsere Teamtrikots bekommen. Bei dieser Aktion ging mal wirklich alles schief. Ich hatte bereits Anfang Mai alles in die Wege geleitet und hatte von der Druckerei die möglichen Trikots zur Auswahl zugesendet bekommen. Wir suchten uns die Größe raus und beschlossen, dass die Trikots in dezentem hellgrau am Besten aussehen würden. Die Sachbearbeiterin meinte damals, dass das alles kein Problem sei, es würde 14 Tage vor dem Rennen auch noch reichen. Ich sammelte also in Ruhe unsere Sponsoren und deren Logos zusammen und sendete alles dann Mitte Juni in die Druckerei. Wir legten Größen, Druck und Schriftart fest und ich dachte mir, dass ich ein weiteres Häkchen auf meiner TAC-To-Do-Liste machen könnte. Weit gefehlt. Irgendwann Anfang Juli kam der Anruf, dass die Trikots nicht lieferbar seien. Super! Geht mal gar nicht, erklärte ich ihr und sie versprach ihr Möglichstes zu tun. Tage und Telefonate später hieß es dann, dass wir die Trikots doch kriegen. Wunderbar, dachte ich mir, noch 10 Tage bis zum Start, klappt ja doch noch. Ich lehnte mich wieder entspannt zurück. Am Montag 13.07.09 dann der dramatische Anruf: Die Lieferung erfolgte zwar, aber für Ralf die falsche Größe und für mich die falsche Farbe. Zum Henker, wir hatten noch 4 Tage!!! Ich bin mal so richtig in Panik ausgebrochen.
Am Dienstag dann der nächste Anruf. HABEMUS TRIKOTS! Hippie! Nur leider in C A N A R I E N V O G E L G E L B !!!! Was soll´s, hilft ja alles nichts. Dann nehmen wir eben die, bevor wir gar keine haben. Als ich mit dem quitschgelben Ding das erste Mal vor dem Spiegel stand musste ich echt laut loslachen. Ausgerechnet ich, der Liebhaber Nr. 1 der gedeckten Farben kriege ein quitschgelbes Trikot verpasst… Dem Lieblingsgatten war´s egal, Hauptsache wir hatten überhaupt ein Teamtrikot.
Leider hielt meine Pechsträhne an und es lämpelte ein oranges Lichtlein im 3 Monate alten Wohnmobil, welches uns um 10:15 Uhr Günzburger Ortszeit direkt in die örtliche Ford-Werkstatt schickte. Der Großmeister dort murmelte irgendwas von zu wenig Ladedruck und sprach, dass er kein Ersatzteil habe. Ein Telefonat mit Meister Wohnmobilverleih folgte, welcher daraufhin meinte, man solle den Fehler löschen und einfach fahren. Wird schon schiefgehen. Unnötig zu erwähnen, dass ich wieder kurz vor einer Panikattacke stand. Unglaublich, es will einfach nicht rund laufen… Nachdem es zwischenzeitlich bereits 11:30 Uhr war, konnten wir uns weitere Verzögerungen und ein Umladen in ein anderes WoMo nicht leisten. Wir sind gefahren und haben gehofft, dass die Möhre nicht stehenbleibt.
Wäre ich entsprechend veranlagt würde ich jetzt irgendwas von negativem Karma, Einfluss des Jupiter in irgendein Haus oder so nuscheln und hoffen, dass sich irgendwelche Sterne und Häuser positiv verändern (oder schlimmeres…). Da ich im Grunde meines Herzens jedoch ein grundsolider Buchhalter bin, musste ich mich mit dem Wort „Scheißtag“ zufriedengeben.
Kurz nach München gab es Mittagessen und nach - Gott sei Dank – ereignisloser Fahrt kamen wir um 14:45 Uhr in Mittenwald an.
Ich bin mal einfach dem Schild RV-Parking nachgefahren und das war dann auch gut so. Wir waren nämlich gerade noch rechtzeitig da, bevor eine Horde von Caravans Mittenwald überflutet hat. Ein schickes Stellplätzchen bekamen wir dann auf dem WoMo-Parkplatz am Bahnhof. Die 100 weiteren WoMos mussten sich mit weit weniger angenehmen Stellplätzen zufrieden geben. Sogar Strom und Wasser gab es für uns zum moderaten Preis von 9,00 Euro.
Wir tingelten in aller Ruhe zur Akkreditierung und bekamen unsere Nummern und für gigantische 100,00 Öcken extra das WoMo-Roadbook und den Camper-Aufkleber, sowie das Versprechen in jedem Ort einen Stellplatz zu bekommen. Der Lieblingsgatte bekam vom Transalp-Papst persönlich die aktuellen GPS-Daten aufs Navi gespielt. Wir irrten dann noch eine halbe Stunde in Mittenwald umher, bis wir die Taschenausgabe gefunden hatten. Super Ausschilderung! Dort bekamen wir auch die Teilnehmer T-Shirts – übrigens in leuchtendem CANARIENVOGELGELB! Ich musste lachen.
Der Himmel zog langsam zu. Dicke schwarze Wolken verhießen nichts Gutes. Kurz darauf begann es auch schon zu regnen. In einer Regenpause sind wir dann zum örtlichen Italiener gewandert um uns für die morgige Etappe mit Pizza, Pasta und Tiramisu zu stärken.
In einer weiteren Regenpause ging es zurück zum WoMo. Kurz nachdem wir zurück waren begann der große Regen….
Samstag 18.07.2009
Stage 1 Mittenwald – Reith im Alpbachtal, Fahrt im Camper
Der große Regen!
Um 6:00 Uhr bimmelte der Wecker und das trommeln des Regens auf dem WoMo-Dach ließ uns schon ahnen, dass uns draußen ein richtig wüstes Wetter erwarten wird. Ein Blick aus dem Fenster auf den Berg gegenüber und ich dachte mich trifft der Schlag: SCHNEE!!!!! Weia, weia dachten wir uns und pellten uns in unsere Regenklamotten. Um 8:30 Uhr war Briefing angesagt, so stand´s zumindest geschrieben. Also machten wir uns auf den Weg zum Startbereich und drängten uns bei erfrischenden 6 Grad mit vielen anderen Bikern unter dem Zelt von Jeantex zusammen und warteten auf die große Ansprache. Es wurde 8:30, 8:45, 9:00 Uhr. Endlich kam jemand! Dann erklärte man uns, dass das Rennen wegen des Schneefalls der letzten Nacht und dem anhaltenden Regen, der noch mehr Schnee in den höheren Lagen erwarten ließ abgesagt wurde. Wir alle sollten mit unseren Campern / Begleitfahrzeugen / Bussen nach Reith im Alpbachtal fahren, morgen würde es dann weitergehen.
Der große Regen, 6 Grad!
Wohl dem, der gelegentlich einen Blick auf sein Handy riskiert. Ich hatte meines ausgemacht, sonst hätte ich mitbekommen, dass Plan B heute Morgen um kurz nach 7:00 Uhr eine SMS an alle Teilnehmer gesendet hatte, dass das Rennen abgesagt war und das Briefing später war, als ursprünglich angesetzt. Ab da hatte ich das Handy an und auch stets am Mann. Wir hätten uns eine dreiviertel Stunde frieren sparen können, wenn wir die SMS gesehen hätten. Naja.
Wir sind dann also zurück zum Camper, haben wieder mal alles aus- und wieder samt den Bikes eingeladen und uns auf den Weg nach Reith gemacht.
Dort angekommen war die eigentlich für uns geplante Wiese vor dem Schulgebäude nicht befahrbar, so dass die Gemeinde uns so gut es ging auf dem Parkplatz an der Seilbahn „Reitherkogel“ und sämtlichen anderen halblebig ebenen Flächen in und um Reith platziert hat. Wir hatten Strom, Wasser und eine Toilette. Kostenpunkt 15,00 Euro, zzgl. Kurtaxe mit 1,10 Euro p. P.. Das mit der Kurtaxe ist kein Witz!
Es regnete heute auch nur einmal.
Mir kam der ungeplante Ruhetag soweit recht gelegen, so konnte ich wenigstens mein Schlafdefizit noch ein wenig ausgleichen. Die Tage vor der TAC waren extrem anstrengend gewesen und vor lauter Aufregung hatte ich auch recht wenig geschlafen. Außerdem wunderte ich mich auch nicht wirklich, dass schon wieder etwas nicht planmäßig lief, wenn ich so an meine letzten Tage dachte.
Irgendwann hörte ich im Halbschlaf das Surren einer Rolle. Ich dachte mir erst, dass ich irgendwie träume oder so, aber zwischen dem unablässig auf das Dach prasselnden Regen war deutlich das vertraute monotone Surren einer Rolle zu hören. Als ich die Augen aufmachte glaubte ich es kaum. Unsere Nachbarinnen, ein richtig schnelles Damenteam, saßen auf ihren Rennrädern, die sie tatsächlich in die mitgebrachten Rollen eingespannt hatten. Ich wurde in diesem Moment das Gefühl nicht los, dass ich meinen Sport nicht ernst nehme…
Das wichtige Briefing am Abend wurde uns von Plan B wieder per SMS angekündigt. So wanderten wir also pünktlich los um zu hören, was der große Meister für morgen vorgesehen hatte.
Start sollte um 11:00 Uhr sein, das Geiseljoch wurde wegen Schnee ausgelassen und das Zeitnahmeziel war nicht in Mayrhofen, sondern in irgendeinem Kaff 32 km entfernt von Mayrhofen. Ok, soweit klar, insgesamt 56 km und rund 2100 Hm standen auf der To-Do-Liste für morgen.
Der erste Daily war auch da und was haben wir erspäht? Unseren Teamnamen bei einer kleinen Auswahl an (nach der Meinung der Redaktion) lustigsten Teamnamen 2009. Na, wenn wir schon nicht durch Ergebnisse glänzen können, dann haben wir´s doch wenigstens durch unseren einprägsamen Teamnamen in den Daily geschafft.
Gut informiert sind wir also im Regen zurück zum Camper gewatet und haben auf Mitternacht gewartet, wo es denn endlich aufhören sollte zu regnen…
Fazit des ersten Tages:
Höhere Gewalt hat beschlossen, dass der erste Tag unserer ersten JBT wortwörtlich ins Wasser (in den Schnee) gefallen ist. Da kann man nichts machen! Ich habe endlich mal wieder eine große Portion Schlaf am Stück bekommen.
Sonntag 19.07.2009
Stage 2 Reith – Mayrhofen 56 km, 2100 Hm
Hier waren dann alle mal noch richtig guter Dinge
Na endlich! Es geht los!
Mit 20 Pulsschlägen über normal standen wir dann um 10:30 Uhr „jans weid hindn“ im Startblock C. Beeindruckend, wenn man knapp 1200 Biker in der engen „Hauptstraße“ von Reith stehen sieht.
Als das berühmte „Highway to Hell“ begann knallte mir der Puls noch einmal um 15 Schläge nach oben. Damit hatte ich einen Ruhepuls von 128 Schlägen/Minute. Und es ging los. Wir brauchten fast 5 Minuten, bis wir über die Startlinie gerollt sind. Mein Puls wollte sich gar nicht einkriegen. Vor lauter Aufregung war ich jetzt schon am oberen G2 Bereich angekommen….
Der erste Einsatz des Rescue-Teams erfolgte bereits 500 m nach dem Start an der ersten Kurve der diesjährigen TAC. Auf dem nächsten Kilometer stand dann ein südafrikanisches Team mit Kettenriss. Irre, dachten wir uns, wie wird das wohl weitergehen und strampelten brav den Kerschbaumerstattel hoch. Da wir recht weit hinten gestartet waren blieb uns diesmal das hundertfache überholt werden erspart. Oben angekommen erwarteten uns viele Wanderer, die uns anfeuerten und beklatschten. War schon ein tolles Gefühl.
Auf Asphalt ging es abwärts nach Fügen. In einer Linkskurve hörte ich es hinter mir scheppern. Als ich mich umdrehte lag mein Ralf samt Bike im Ausgang der Kurve. Sch…. und das gleich bei der ersten Abfahrt dachte ich mir. Er sammelte sich flott wieder zusammen, checkte Mann und Material auf gröbere Defekte und weiter ging es. Bis auf ein total verkratztes Pedal, an dem man das XT jetzt gar nicht mehr lesen kann und ein paar kleinen Schürfwunden war alles ok.
Die Auffahrt zum Loassattel war ebenfalls unspektakulär. An der ersten und einzigen Verpflegungsstelle des heutigen Tages in Hochfügen zog ich meine Überschuhe aus, welche ich wegen der vorhergesagten kalten Temperaturen heute Morgen vorsorglich mal angezogen hatte. Bereits seit Fügen hatte ich das dumpfe Gefühl, dass ich pro Fuß eine Scheuerstelle zu beklagen haben würde. Als ich dann die blutigen Socken sah war ich also nicht wirklich überrascht. Ralf hatte sich bei seinem Sturz nur ein paar Schürfwunden zugezogen, die nicht tief waren, also auch kein Problem soweit.
Wir absolvierten die restlichen Höhenmeter und machten uns auf die recht steile Schotterabfahrt. Die 1100 Fahrer vor und hatten eine schöne Fahrspur in den Schotter gebrannt, so dass die Abfahrt kein Problem war. Das lies auch für einige uns bekannte herbe Schotterpassagen der nächsten Tage die Hoffnung zu, dass eine gute Fahrspur vorhanden sein würde, wenn wir dort ankamen.
Wir gaben unten noch einmal richtig Gas und kamen unter 5 Stunden im Ziel an. Eigentlich waren wir mit uns wirklich ganz zufrieden, auch wenn wir mehr als doppelt so lang für die Strecke gebraucht hatten, als das führende Mixed-Team. Wir waren nicht mal Letzte geworden, das gab Anlass zur Hoffnung für die kommenden Tage.
32 km und 200 Hm rollten wir noch auf einem Fahrradweg nach Mayrhofen, wo uns dann bereits unsere Betreuer auf einem Stellplatz 4 km vor Mayrhofen mit einer großen Portion Pasta erwarteten.
Fazit des zweiten Tages:
Erwartungsgemäß sind wir unter den letzten 10 Teams zu finden. Bergauf sind wir leider deutlich langsamer als die meisten Teams, so dass wir bergab nicht soviel Zeit wieder gutmachen können wie wir eigentlich gehofft hatten. Die fahrtechnisch nicht anspruchsvolle Strecke war sehr schnell fahrbar und das hat mich mehr Körner gekostet als ich ursprünglich am ersten Tag investieren wollte.
Mayrhofen pferchte wohl die meisten Camper auf ein Betriebsgelände neben dem Campingplatz. Hier hatten unsere Betreuer richtig Glück. Der erste Platz war voll und so wurden sie schon vor Mayrhofen ausgeleitet. Wir standen zwar 4 km außerhalb, dafür in ruhiger Lage mit Wasser, Strom und Toilette. Kostenlos sogar! Prima Sache!!!
Montag 20.07.2009
Stage 3 Mayrhofen – Brixen 95 km, 2127 Hm
Ein Hoch auf Herrn Hürzeler!
Um 7:45 Uhr haben uns unsere Betreuer einfach so rausgeschmissen. Grund: Schnell losfahren und hoffen, dass man einen passablen Stellplatz für den Camper im nächsten Etappenort ergattert.
Wir rollten also bereits sehr früh in den Startblock C, stellten uns wieder ganz hinten an und warteten geduldig, bis es 9:05 Uhr (unsere übliche Startzeit) war.
Der super fahrbare und nicht übermäßig steile Weg hoch zum Schlegeisspeicher kurbelte sich einwandfrei. Ein kleiner Trail aufwärts brachte ein wenig Leben in die Kurbelei. Auf dem Trail bergauf überholte uns eine Horde Holländer, die nicht am Rennen teilnahmen. Einer davon berührte beim Überholen im Singeltrail Ralf, so dass er absteigen musste um einen Sturz zu verhindern. Der Holländer entschuldigte sich im vorbeifahren. Sicherheitshalber brüllte der Lieblingsgatte ihm hinterher „ Wenn etzt mei Frau a färsch, dann ligsch im Tal“. Das hat er offensichtlich, trotz breitestem schwäbisch, verstanden und blieb artig hinter mir.
Wir erreichten die erste Verpflegung mit bester Laune. Danach folgte die Wanderung zum Pfitscherjoch. Wir (und alle anderen nach und kurz vor uns) trabten brav nach oben. Nach der von vorne herein eingeplanten Wanderstrecke konnten wir wieder ein Stück fahren. Der Rettungshubschrauber war eben gelandet als wir das Ende der Wanderstrecke erreichten. Hoffentlich ist dem armen Kerl nicht allzu viel passiert. Wir mussten den Heli weitläufig umwandern und sahen nur noch den in Rettungsdecken eingewickelten Biker liegen. Echt schlimm, da kriegt man richtig Gänsehaut. Wir hofften sehr, dass wir den Heli nicht allzu oft sehen müssen.
Der letzte Rest hoch zum Joch musste dann leider wieder erwandert werden, da neben Schneeresten und Bächen auch noch sehr lockerer Schotter den Anstieg zierte.
Ab da ging es abwärts. So alle 5 km dankte ich artig Herrn Hürzeler für die seit März 2009 auf Malle antrainierte Rennradwade. Die Strecke kam uns sehr entgegen und wir bretterten flott Richtung Brixen. Der Trail nach Aicha war für uns zwar im oberen Teil nicht fahrbar, der Rest aber ging wieder problemlos und wir erreichten Brixen wieder nicht als Letzte in einer Zeit von unter 7 Stunden.
Ein Eis am Domplatz entschädigte sofort für die Strapazen und wir waren wieder recht zufrieden mit unserer Zeit.
Fazit des dritten Tages:
Eine (bis auf den Trail nach Aicha) technisch wieder nicht anspruchsvolle Etappe mit langen Rollstrecken, die uns richtig entgegen kamen und viel Spaß machten. Wir waren 5.-Letzte in der Mixed-Gesamtwertung und damit hochzufrieden. Unseren Gesamtzustand konnte man als richtig gut beschreiben. Wir hatten nicht zuviel Körner verbraten und sahen der morgigen „Königsetappe“ soweit zuversichtlich entgegen.
Unsere Betreuer waren überhaupt nicht glücklich über den heutigen Stellplatz. Brixen verfrachtete die Camper auf ein stillgelegtes Kasernengelände. Kostete zwar nichts, gab aber weder Wasser, noch Strom, noch Toiletten. Wir haben uns gefragt, warum es nicht möglich war uns die Sanitäreinrichtungen der Kaserne – die ja zweifelsfrei da sein mussten - benutzen zu lassen, aber der „Aufseher“ wollte davon gar nichts wissen. Nicht mal Wasser haben wir bekommen. Schwache Leistung.
Dienstag, 21.07.2009
Stage 4 Brixen – St. Christina, 84 km, 3665 Hm
Heute wegen Sonnenbrand im normalen Tirkot mit längeren Armen
Die Königsetappe!
So stand es zumindest in der Bike drin. Unsereins hätte die Bezeichnung „Königsetappe“ eher den beiden folgenden Tagen verliehen, aber gut, was wissen wir Wald- und Wiesenbiker denn schon.
Los ging´s am Domplatz wie immer um 9:05 Uhr. Wie ich schon in meinem Fronleichnamsbericht angekündigt hatte, gab es Stau an der Einfahrt zum Trail kurz nach Brixen. Wir warteten also geduldig 15 Minuten bis wir dran waren.
Nach dem Trail folgte umgehend die Auffahrt zum Würzjoch, wo die erste Verpflegung hätte sein sollen…. Tja, hätte sein sollen!
Wir passierten das Würzjoch, warfen uns die Schotterabfahrt nach St. Magdalena runter und hatten schon Panik, dass wir die Verpflegung verpasst hatten. Die anderen Teams um uns herum hatten sie aber auch nicht gesehen und so fuhren wir halt mal weiter und hofften, dass sie die nächsten Kilometer dann doch noch auftauchen würde. Am Fuße des Anstieges zur Schlüterhütte dann endlich die Verpflegung. Halleluja, das Wasser war nun wirklich schon richtig knapp geworden.
Bereits in der Auffahrt zum Würzjoch sahen wir, wie Eileen vom Team PowerPaar (eines der Teams, die wir täglich mehrmals sahen) mit dem Rescue-Motorrad abgeholt wurde. Sie erzählte kurz, dass sie wohl irgendwas mit dem Meniskus hätte und ihr Knie so stark schmerzen würde, dass sie nicht weiterfahren konnte. Jammerschade!
Wir bekamen heute an der Verpflegung sogar noch freiwillig was von den Gels ab! Melonen waren auch noch da! Der Wahnsinn… (ich hoffe, man hört die Ironie in diesen Zeilen). Hier gab es dann auch die ersten Beschwerden, weil wir quasi "inkognito" unterwegs waren. Unsere hinteren Mitstreiter suchten heute verzweifelt die quitschgelben Trikots mit der wohl motivierend für Andere wirkenden Aufschrift "Deine saublöde Idee". Wir versprachen ab morgen wieder in den bekannten Teamfarben aufzutreten um weiteren Irritationen vorzubeugen (außerdem sollte morgen der Sonnenbrand wieder weg sein...).
Weiter ging es bis zur Gampenalm und wir schoben wieder das letzte steile Stück zur Schlüterhütte hoch. Oben angekommen folgte ein ausgewiesenes Schiebestück, welches lt. Uli 900 m lang sein sollte. Da wir schon mal da waren wussten wir, dass dieses Stück eigentlich vollständig fahrbar gewesen wäre. Ein Jammer, der ganze schöne Trail musste „aus Umweltschutzgründen“ geschoben werden, da die Streckenführung sonst nicht genehmigt worden wäre. Inzwischen waren meine beiden Scheuerstellen vom 2. Tag schon wieder offen und schmerzten auch entsprechend…
Nach dem Schiebestück ging´s erstmal nur noch runter nach Campill. In Campill wollte dann der Lieblingsgatte in den örtlichen Ponyhof abbiegen und dort seinen Lebensabend verbringen. Worauf hin ich ihm erklärte, dass das Leben eben kein Ponyhof ist und es eine saublöde Idee wäre, jetzt den Heldenstatus gegen ein Pony einzutauschen. Widerwillig, eher sehr widerwillig strampelte Ralf weiter hinter mir her. ;-)
Ein kleinerer Gegenanstieg und es folgte eine weitere Abfahrt nach Abtei. Dort begegnete uns auch mal wieder das Team www.powerbalanceshop.de mit ihrem „Buddy“. Zur Erklärung: Dieses Team hatte einen jungen Mann mit dabei, der die Etappen einfach aus Spaß (!!) mit seinem Team zusammen fuhr. Er fuhr meistens voraus und wartete dann irgendwo mal wieder, bis seine Beiden aufgeschlossen hatten. Er war superfit und wir waren schwer beeindruckt als er das steile Stück zu Schlüterhütte lässig hochgefahren ist. Meistens sahen wir ihn jeden Tag an der 2. Verpflegung. War wirklich immer lustig! Wir haben uns echt gefragt, warum er nicht selber Teilnehmer war.
Von Abtei aus kurbelte man unspektakulär bei durchschnittlich 2 % Steigung nach Corvara zur 2. Verpflegung. Mein Magen wollte keine Riegel, Gels oder Energiedrinks mehr haben. Ralf ging es heute noch viel schlimmer. Er hatte schon leichte Magenkrämpfe und so versuchten wir an der Verpflegung unseren Magen mit Banane und ein wenig Wasser wieder zu besänftigen. Klappte bei mir soweit auch, Ralf jedoch hatte die gesamte Auffahrt zum Grödnerjoch Magenschmerzen, was sich nicht unbedingt positiv auf unsere eh schon rasante Durchschnittsgeschwindigkeit auswirkte.
Egal, wir wollten doch nur noch ankommen. Kurz vor dem Joch begann es dann auch noch zu regnen und es überholte uns dann auch noch das letzte Team des heutigen Tages, die Maintal Radkappen die auch zu den Teams gehörten, die wir täglich mehrfach sahen und wir übernahmen die rote Laterne. Seufz, aber es war eigentlich fast zu erwarten gewesen, da an diesem Tag einige der Teams, die noch hinter uns waren ausgestiegen waren.
Oben am Grödnerjoch lernten wir dann Holger Meyer persönlich kennen, den wir am nächsten Tag noch öfter sehen sollten. Die letzte Abfahrt auf steilem Schotter war erledigt, der letzte Teil war Asphalt und rollte schnell abwärts. Nach knapp 10 ½ Stunden erreichten wir dann endlich das Ziel.
Endlich da!
Erschöpft, aber doch zufrieden haben wir den Regenerationsturbo angeworfen und uns seelisch und moralisch auf den 1700 Hm Anstieg des nächsten Tages vorbereitet.
Fazit des vierten Tages:
Ziel des Tages war es innerhalb der Zielschlusszeit 19:00 Uhr anzukommen. Dieses Ziel hatten wir zwar um eine halbe Stunde verpasst, waren darüber aber nicht wirklich unglücklich. Wichtig war, dass wir angekommen sind und uns diese Etappe nicht an die Grenze unserer Kräfte gebracht hatte. Wir wussten, dass es für uns Morgen noch deutlich härter werden würde und so war es mental nicht schadhaft, dass wir mit der roten Laterne ins Ziel kamen. Bis auf die leichten Magenprobleme fühlten wir uns auch noch verhältnismäßig gut.
St. Christina hat sich für die Camper wirklich Mühe gegeben, wenn man bedenkt wie wenig Platz dort ist. Wir hätten sogar eine Toilette gehabt, wenn sich die Betreuer eines englischen Teams nicht dazu entschlossen hätten ihr schmutziges Geschirr im Waschbecken zu spülen. Danach war die Toilette leider wieder abgesperrt. Strom gab es keinen, Wasser dafür von einem netten Anwohner. Kostenpunkt für den Stellplatz 4,00 Euro, Bachrauschen inklusive.
Mittwoch, 22.07.2009
Stage 5 St. Christina – Sarnthein, 83 km, 3297 Hm
Auf ein Neues!
Oder auch genannt: Holger und der Zauberriegel…
Mit gemischten Gefühlen standen wir wie immer am hinteren Ende des Startblock C. Ralf´s Magen hatte sich soweit wieder erholt, mir ging es auch recht gut und wir peilten eine Ankunft in Sarnthein so gegen 19:00 Uhr an. Vor dieser Etappe hatte ich die meiste Angst, weil ich wusste, dass der Weg runter vom Latzfonzerkreuz nach Sarnthein genauso anstrengend werden würde, wie der Weg hinauf.
Stefan Sahm rollte kurz vor dem Start zu uns herüber und fragte, wie es uns geht. Mann, haben wir uns gefreut. Stefan gehört ja neben Karl Platt zu den beiden Mountainbikern, die wir ganz furchtbar bewundern. Er meinte, dass er großen Respekt vor unserer Leistung habe und uns die Daumen halten würde. Wir waren stolz wie Harry! Ja Stefan, und Du hast mit dieser Geste zwei durchschnittlichen Hobbybikern (die nebenbei schon lange Deine Fans sind) einen riesigen Eimer Motivation geschenkt, von dem sie noch lange zehren werden. Vielen Dank dafür und wir halten Dir und Karl auch weiterhin bei all Euren Rennen feste die Daumen.

Machen wir´s kurz. Es lief richtig gut. Meine Beine taten brav ihren Dienst, Ralf´s Magen meckerte auch nicht mehr. Alles lief wunderbar. Die Hitzeschlacht am Aufstieg von Waidbruck nach oben meisterten wir auch richtig gut. Dankbar waren wir bei 39 Grad Hitze für das Wasser, das uns die Anwohner am Straßenrand in die Hand gedrückt, bzw. über den Helm geschüttet haben. Wir erreichten die 2. Verpflegung um 14:30 Uhr! Eine für uns super-duper-prima-wunderbar-freu Zeit! In Gedanken korrigierten wir unsere Ankunftszeit in Sarntheim auf 18:00 Uhr und freuten uns richtig über den heutigen Tag.
Kurz 2 Banänchen reingedrückt, ein Gel dazu, das Ganze mit Wasser runtergespült und die Flaschen gefüllt. Weiter ging´s! Noch läpprige 900 Hm und 30 km standen auf dem Programm. Dafür hatten wir bis Zielschluss doch tatsächlich noch 3 ¼ Stunden Zeit. Wunderbar!
Nicht ganz einen Kilometer nach der zweiten Verpflegung hat mein Magen dann beschlossen, dass er mit der Gesamtsituation nun nicht mehr einverstanden war. Ich bekam Magenkrämpfe. Ab da wollte nichts mehr rein in meinen Magen, sondern nur noch raus. Ralf schob artig die Bikes, ich stiefelte so gut es eben ging hinterher. Weitere 3 Kilometer später hatte ich so heftige Magenkrämpfe, dass ich nicht mal mehr laufen konnte.
Ich saß heulend auf einer Bank, bis die Schlussmotorradfahrer kamen. Holger setzte sich mit auf die Bank und versuchte mir klar zu machen, dass es eine saublöde Idee wäre JETZT aufzugeben. Er fütterte mich mit einem seiner Riegel und der blieb sogar drin. Ich klammerte mich ein wenig an Holgers „Zauberriegel“ und hoffte, dass es weitergehen würde.
 
Lieber Holger, vielen Dank!!!!
Wir hatten einigen Vorsprung auf das letzte Team und so warteten wir bis die beiden (Team Tochter und Baart – souveräne Leistung, unseren tiefen Respekt habt ihr!) auf uns aufgeschlossen hatten in der Hoffnung, dass sich mein Magen bis dahin wieder einigermaßen beruhigen würde.
Mit viel gutem Zuspruch von Holger und seinem Kollegen (leider weiß ich nicht mal seinen Namen) machte ich mich dann doch wieder auf den Weg gen Sarnthein. Mir kam das alles wie eine Ewigkeit vor. Ich versuchte andauernd den Drang zu Kotzen zu unterdrücken, wobei jede Anstrengung meinen Magen einfach nur hoffnungslos überforderte. Ich konnte kaum noch was trinken und nichts mehr essen.
Die Abfahrt war im oberen Teil extrem steil und die folgenden Trails waren anspruchsvoll. Bis kurz vor Sarnthein gab es fast keine Erholung. Immer wieder kam ein knackiger Gegenanstieg oder ein kniffliger Trail. Ich musste unglaublich viel laufen und Ralf mein Bike schieben.
Um 20:00 Uhr erreichten wir dann doch noch Sarnthein. Ich hätte ja gar nicht geglaubt, dass ich es überhaupt noch schaffe.
Ich glaube ich war noch nie so im Eimer wie an diesem Abend. Ralf´s Magen hatte sich wieder vollständig erholt, obwohl er mein Bike über sehr weite Strecken an diesem Tag die Berge hat hochschieben müssen. Der beste Lieblingsgatte der Welt eben!
Das Abendessen wartete bereits auf uns. Nur wollte es bei mir erst gar nicht rein. Nicht mal Trinken konnte ich. Aber ich war noch in der Wertung und hatte einfach noch die Hoffnung, dass es mir morgen früh wieder besser gehen würde.
Fazit des fünften Tages:
Stark angefangen, stark nachgelassen. War es die Hitze, die falschen Riegel, verschmutztes Wasser, oder doch einfach nur die enorme Anstrengung? Ich weiß es nicht! Ich weiß nur, dass es für mich nichts Wichtigeres gab in diesem Moment, als das Rennen weiterfahren zu können. Der Tag war hart! Klar, das wussten wir aber schon vorher. Aber es war nicht unmöglich! Wir kannten die Strecke und hatten so einfach den Vorteil uns das wirklich richtig einteilen zu können. Dass wir 11 Stunden unterwegs waren hat zusätzliche Körner gekostet und der morgige Tag hat sich auch das Prädikat „superschwer“ verdient. Der morgige Aufstieg nach S. Apollonia wird m. E. schwerer als der 1700 Hm Anstieg heute. Er ist steiler und man fährt dauernd in der Sonne. Der Eppaner Höhenweg ist auch nicht unbedingt entspannend. Ich hoffte einfach, dass mein Magen wieder gut werden würde.
Sartheim hatte etwa 2 km außerhalb ein großes Gelände für die Camper bereitgestellt. Sanitär war vorhanden, der Platz kostete 20 Euro. Leider kein Strom, ansonsten prima.
Donnerstag, 23.07.2009
Stage 6 Sarnthein - Kaltern, 78 km, 3173 Hm
Das Ende meines großen Traums.
Die ganze Nacht über wurde ich von Magenkrämpfen geplagt. Am Morgen um 6:00 Uhr sah ich aus wie ein Zombie. Kaum geschlafen, zig mal auf´s Klo gerast, immer noch Krämpfe. Als ich das Frühstück nur anschaute, kam der Drang zu kotzen sofort wieder zurück.
Es half alles nichts. Ich musste aufstecken. Ob ich wollte oder nicht!
Mein Lieblingsgatte fuhr also ohne mich weiter, er war ja schließlich noch in der Wertung und konnte Finisher werden! Hier dann Ralf´s Bericht der beiden folgenden Etappen:
Also machte ich (Ralf) mich zur 6.ten Etappe auf und musste mich erstmal erkundigen, wie ich überhaupt als Individual Finisher weiterfahren konnte. Bezüglich Teambildung und 2 Minutenregel bekam ich von zwei verschiedenen Leuten von Plan B (oder Planlos wie wir sie im Laufe der Veranstaltung auch nannten) auch zwei unterschiedliche Antworten. Als ich dann so verloren vor dem Startblock C stand kam der Belgier Toon van Herck von den Mouseketeers (sein Kumpel Sven war völlig erschöpft und hatte genug von dem Blödsinn) auf mich zu und fragte mich ob ich auch einen Teampartner suchte, was ich bejahte und wir checkten zusammen ein.
Die Belgier sind die Nation die ich zusammen mit den Niederländern am meisten bewundere. Die haben es mindestens 150 km bis zur nächsten Bodenerhebung und fahren trotzdem bei der Challenge mit.
Wir rollten das Feld von ganz hinten auf und ich bemühte mich Toons Tempo mitzugehen. Der Weg hoch zur Sarner Skihütte lief gut, allerdings gab es auf dem Eingang zum Trail nach der Auffahrt einen Stau, danach ging es über die Öttenbacher Alm weiter zum Kreuzjoch und zu den Stoanane Mandl wo ich jeweils für Danni, Sven und all die anderen Armen die wegen Erschöpfung, Krankheit oder Stürzen aufgeben mussten einen Stein aufschichtete.
Danach war Downhill angesagt mit insgesamt 1700 Tiefenmetern, wovon ca. 1400 Tm cooler Singletrail waren, auf dem ich nur zweimal angehalten habe, an der ersten Verpflegung und an der coolen leicht verrosteten Hängebrücke an der ich wie vereinbart auf Toon wartete. Bergab war ich zumindest etwas stärker als er. Toon, der ebenfalls an Höhenangst leidet, machte die Brücke genauso viel „Spaß“ wie Danni als sie sie gefahren ist. *ggg*
Insgesamt hatte ich bei der ganzen Sache großes Glück, da ich bei Mölten bei einem Abzweig von Asphalt auf Trail fast vom hinter mir Fahrenden vom Bike geholt wurde, weil er das Wegschild nicht gesehen hatte und mit ca. 50 km/h durch mich durchfahren wollte. Im Etschtal nach ca. 4 Stunden angekommen, rollten wir bei ca. 35° C hinüber zum nächsten Anstieg welcher bei 12%+ auf freiem Asphalt hochging. Bis zur zweiten Verpflegung bei St. Apollonia ging es mir auch noch recht gut, danach musste ich auf der noch steileren Schotterauffahrt langsam der Hitze und dem gefahrenen Tempo Tribut zollen und stellte eindeutig fest, dass Toon der bessere Fahrer bergauf ist.
Danach kam dann der Weitwandertag über den Eppaner Höhenweg, inkl. motivierender Trage- und Kletterpassagen und ein paar weiteren schönen Trails. Zum Schluss ging es dann noch in einer Schleife einmal komplett um Kaltern herum, inkl. ca. 150 Bonushöhenmeter vom Kalterer See hoch zum Ziel.
Ich will dem Uli hier mal glauben, dass dies aus verkehrsperrungstechnischen Gründen nicht anders ging. Toon und ich finishten gemeinsam nach 7:52 Stunden. Da ich wegen einer Fehlfunktion des Handys (kein Empfang) im Anflug auf Kaltern niemandem Bescheid geben konnte, gab es auch leider kein Begrüßungskomitee. Glücklicherweise war Danni gerade zufällig in der Expo-Area und hat mich aufgelesen.
 
Ralf beim notwendigen Bike-Wash in Kaltern (leicht zerstört!)
Fazit des sechsten Tages:
Stark angefangen, etwas nachgelassen. Die Hitze war heute mörderisch (lt. VDO 38 Grad!), die Anstiege steiler, die Trails schön aufgeräumt und die Wander- und Kletterpassagen noch genauso blöd wie einen Monat zuvor. Für mich war heute der härteste Tag der Challenge. Was ich an dem Tag noch nicht wusste war, dass ich mir, als ich mein Schienbein am Pedal angeschlagen habe, eine Knochenhautreizung zugezogen habe, die sich auf den nächsten 2 Tagen und ~4500 Hm schön entzünden würde.
Bericht Danni zum 6. Tag:
Nachdem der Tränenstrom versiegt war und ich mir bei den Sanis Medizin für´s beleidigte Bauchi geholt hatte, machte ich mich daran, schleunigst wieder gesund zu werden.

Ich machte Bekanntschaft mit einer bettelnden Ente, von der sich mein kleiner schwarzer Lieblingskater sogar noch was abschauen könnte in Punkto „mitleiderregend“.
Mein Tag verlief aber ansonsten wirklich unspektakulär bis zu dem Punkt, an dem ich beschloss meinen tapferen Lieblingsgatten im Ziel abzuholen. Laufen fiel aus weil 5 km, mit dem Bike fahren auch weil der Magen noch immer nicht belastet werden wollte. Also was macht man? Man fragt beim Nachbarn, der gerade los will ob man mitfahren darf. Und ei sieh an, neben wem sitzt man da und wird zur Expo-Area chauffiert? Alex Pscheidl! Es hat leider lange gedauert bis ich das gecheckt habe. Er war sogar so freundlich und hat mich wieder mit zurück genommen. Lieber Alex, vielen Dank! Team TEXPA-Simplon hat jetzt einen neuen Fan! Ach ja, die Autogramme vom anwesenden TEXPA-Simplon Team auf Ihrem neuesten coolen Teamposter hängen jetzt an meiner Bürotüre. Freu! :-D
Der „Campingplatz“ liegt direkt am Kalterer See und ist eine Wiese mit Strom für 20 Euro. Sanitär ist ok, kann man bei Camping Gretl mitbenutzen. Die Entfernung in Kilometern ausgedrückt: 5 Kilometer weg vom Start/Zielbereich und noch mal etwa 200 Fleiß-Höhenmeter. Wenn man kein Auto hat ist es ein weiter Weg zur Pasta-Party und zurück.
Freitag, 24.07.2009
Stage 7 Kaltern - Andalo, 75 km, 3041 Hm

Das morgentliche Sattel-Stell-Ritual
Das Joch des Grauens
Am Abend vorher wurde mir schon richtig Appetit auf diese Etappe gemacht und mir versprochen dass heute alles noch mal schlimmer würde, was nach Gesetzen der Physik eigentlich gar nicht mehr möglich war. Es gab dabei farbige Erzählungen vom Joch des Grauens (bzw. Grauner Joch), einer Hitzeschlacht auf ewig dahin ziehendem, welligen Asphalt mit anschließendem Wandertag hoch zu Bergankunft in Andalo.
Ich checkte heute wieder mit Toon ein, dessen Partner in den Urlaubsmodus gewechselt war, hinzu kam Marco Barbero aus Turin vom Team Bike & More 9-Mavá 85, dessen Kollege am Vortag gestürzt war. Toon und Marco fuhren heute voraus und ich sah selbige auch nicht mehr vor dem Ziel. Toon fuhr ca. eine Stunde schneller als ich. Ich selbst ging heute, nachdem mir gestern hinten hinaus die Kraft ausging, das Ganze etwas ruhiger an und es lief auch recht gut hinauf zum Grauner Joch.
Da es Vormittag war und wir im Wald fuhren blieben die Temperaturen unterhalb der 30° C Grenze. Auf dem Weg zum Grauner Joch half ich auch noch zwei ganz armen Jungs die Ihrer Kette reparieren wollten, am Vortag bei selbigem Unterfangen ihr Multitool verloren hatten und die wohl schon eine ganze Weile um ein Multitool bettelten, keiner jedoch anhalten wollte im spannenden Kampf um Platz 399.
Nach dem Grauner Joch ging es entspannt hinab zu ersten Verpflegung, danach noch mal auf und dann lange hinunter, teilweise über eine Wegart die ich als „Baustelle“ bezeichnen würde mit Pumakopf großen Steinen als Untergrund, die wohl irgendwann einmal zu einem Schotterweg umgebaut werden sollen.
Im Tal angekommen ging es dann bei großer Hitze wellig über Asphalt, was mir dank ausgiebigem Rennradtraining jedoch sehr lag und ich beschwerte mich dabei auch nicht über Gegenwind der zusammen mit dem Fahrtwind im Vergleich zu gestern die Hitze erträglich machte. An der zweiten Verpflegung gab ich dann dem Betreuerstab Bescheid dass ich in 1-2 Stunden ankommen würde, da ich gewarnt wurde dass der letzte Anstieg noch mal richtig knacken würde.
So kam es dann auch! Ca. 100 der 600 Hm gingen mit 25-30% auf Schotter und am Schluss auch noch Beton aufwärts. Hier hat jeder den ich gesehen habe geschoben. Nach für mich phantastischen 6:47 Stunden kam ich in Andalo an und wurde dort von Danni mit einem großen Stapel Wurstsemmel empfangen.
Ja Gott sei Dank, do is er ja...
Fazit des siebten Tages:
Gemäßigt angefangen, nach hinten hinaus gut nachgelegt. Der Tag war um einiges weniger schlimm als gestern und lag mir recht gut. Endlich wieder zu einer vernünftigen Zeit gefinshed, was der Regeneration und der Fähigkeit einzuschlafen sehr gut tat (die Tage davor war ich um 22:00 noch viel zu aufgedreht um einzuschlafen, während sich heute um 21:30 eine angenehme Müdigkeit breit machte). Andalo war auch das erste Mal dass ich eine vernünftige Zielverpflegung wahrgenommen habe! Heute Abend spürte ich auch meine Knochenhautreizung und humpelte schon ganz ordentlich, aber es war ja nur noch ein Tag den das blöde Bein überstehen musste ;-)
Bericht Danni:
Mann, war mir langweilig…. Die Etappe fahren konnte ich noch nicht, aber nachmittags ging es mir zumindest so gut, dass ich zum Ziel gefahren bin um das Bike reparieren zu lassen und meinen persönlichen Helden und Ehemann abzuholen. Bewaffnet mit Digicam für´s Zielfoto wartete ich also auf seinen Anruf.
Ralf hatte gestern eine lockere Speiche am Hinterrad mit von der Etappe gebracht, die ich heute versuchte reparieren zu lassen. Mal abgesehen davon, dass die vielgepriesenen Jungs so gar kein Interesse daran hatten mein Simplon mit den Mavic Crossmax zu begutachten, weil es ja kein Scott ist… wir keine Mavic haben…. Wie gesagt, mal davon abgesehen.
Der nette Mensch von Specialized hatte dann Erbarmen und schaute sich die Sache an. Speichenbruch! Er konnte leider nicht helfen, weil er keine Speiche für meine Crossmax hatte. Also trabte ich noch einmal ringsrum und fragte mich durch, ob nicht vielleicht doch jemand eine übrig hätte. Auch Fehlanzeige.
Als ich gerade am Shimanostand vorbeilief sah ich Nicole, die Betreuerin vom Team Bike & Run Imst Vater & Sohn. Ich sagte „Hallo“ und sie starrte – leicht in Hektik - mein Bike an und fragte mich ob ich es ihr ausleihen könnte. Reinhard hatte wohl einen irreparablen Schaden an seinem Bike. Tja, blöd, ich hatte ja einen Speichenbruch, also fiel das mal komplett aus. Eine Sekunde später fiel mir ein, dass mein Dad ja mit seinem Stumpjumper auch hier im Zielbereich war und ich flitzte los. 2 Minuten später drückte ich Nicole das rennbereite Bike in die Hand. Ihre Jungs hatten sich für diese TAC so richtig was vorgenommen, also wusste ich, dass jede Minute zählte. Nicole sauste auch sofort los. Naja, ums Bike machte ich mir keine Sorgen, da es ja zwangsläufig im Ziel wieder bei uns landen würde ;-D und außerdem heißt es ja: Jeden Tag eine gute Tat!
Als mein Gatte dann im Ziel aufschlug, humpelte er richtig. Ich beschloss ihn sicherheitshalber erst morgen in Riva zu bemitleiden. Bis dahin musste die blöde Gräte noch mitspielen, koste es was es wolle. Ich beschloss in diesem Moment auch, dass ich die letzte Etappe auf jeden Fall fahren werde. Ein Lahmer und eine Bauchkranke – das Dream-Team der letzten Etappe.
Andalo parkte die Camper oberhalb der Seilbahn. Toiletten waren da, Dusche kostete 5,00 Euronen p.P. und der Stellplatz 12,00 Öcken. Start/Ziel ist etwa 2 km und 50 Hm weg. Geht also!
Samstag, 25.07.2009
Stage 8 Andalo - Riva, 61 km, 1450 Hm
Der letzte Tag!
Wir standen also wieder gemeinsam in Startblock C – ganz hinten! Ich (jetzt wieder Danni) musste den heutigen Tag auch mit Vaters Stumpjumper absolvieren, da wir inzwischen das Hinterrad, den Flaschenhalter und die Sattelklemme von meinem Stomp an Ralf´s Stomp umgebaut hatten.
Ein allerletztes Mal „Highway to Hell“. Ich hätte sofort wieder losheulen können, weil ich den Finisher-Status verloren hatte. Egal, heute war Ralf´s großer Tag. Tapfer strampelte er mit seinem heftig schmerzenden Fuß den Monte Gazza hoch. Schob sogar auch noch ein Stück beide Bikes nach oben. Wir haben von vorne herein ein Magen- und Beinschonendes Tempo angeschlagen. Trotzdem musste ich heute öfters mal auf Ralf warten, was in den anderen Tagen, an denen wir zusammen unterwegs waren nie der Fall war.
Endlich oben angekommen sahen wir einen weiteren ganz armen Kandidaten mit einer Packung Salzstangen im Gras sitzen. Er war ziemlich blass im Gesicht und leicht grün um die Nase. Sein Kollege musste schon nach der Sarnthein-Etappe wegen Magenproblemen aufgeben, ihn hatte es gestern erwischt. Aber auch er hatte beschlossen, dass er nach all der Schinderei heute auf jeden Fall in Riva del Garda finishen wird. Sein Kollege (auch aus der Wertung raus) war heute wieder dabei und unterstützte ihn nach Kräften. Hut ab Jungs!
Den Monte Gazza lief ich zu großen Teilen runter. Durch den Regen der vergangenen Nacht war die Strecke rutschig wie der Teufel. Steil war´s obendrein auch noch und ich hatte mal so gar keine Lust jetzt noch einen Ausflug in die Botanik zu machen. Zumal mir Vater auch nie verziehen hätte, wenn ich seinen geliebten Stumpjumper „weggeworfen“ hätte. Ralf rutschte recht spektakulär auf seinem Bike den Trail runter. Klar, er konnte kaum laufen, also war es ihm deutlich lieber irgendwie fahrend/rutschend die Strecke zu bewältigen. Sah mordgefährlich aus von hinten. Ich hab mal vorsichtshalber nichts gesagt, ich wusste ja, dass er nicht mehr laufen konnte. Ich hab nur gehofft, dass nichts passiert.
Wir kamen heil unten an. Noch 30 Kilometer bis nach Riva. Die Verpflegungsstation war gleich nach dem uns der Trail ausgespuckt hatte platziert und wir konnten endlich wieder unsere Flaschen nachfüllen. 15 Minuten später dankten wir mal wieder Herrn Hürzeler für das Rennradtraining und flogen in Windeseile nach Riva durch. Am Eingang der Marocche war eine völlig verlassene und im Roadbook nicht eingezeichnete Verpflegungsstelle, die 10 Minuten nach der ersten Verpflegung erreicht war, eingerichtet. Die Jungs und Mädels dort hatten heute wohl kaum Arbeit.
Die Marocche di Dro nahmen wir nur noch im Blindflug war. Ich glaube nicht, dass ich schon einmal so schnell von Pietramurata ans W-Werk gesprintet bin. Coole Sache so eine TAC. Der Rest der Strecke verlief im Eiltempo und unspektakulär auf Asphalt. Der Magen war egal, der Fuß war egal, wir wollten nur noch ankommen und das bitte so schnell als möglich, also haben wir mal richtig Gas gegeben.
Um kurz vor 15:00 Uhr waren wir dann da! Ralf war nun offiziell Finisher der Jeantex-Bike-Transalp 2009 und konnte zu Recht stolz auf sich sein. Zur Belohnung gab es erst mal einen richtig großen Eisbecher.
Am Abend auf der Finisher-Party bekam er dann sein hochverdientes Finisher-Trikot übergestreift und natürlich das Erinnerungsbild an der Sponsorenwand.

Dort trafen wir dann auch das Team Vater & Sohn samt Betreuerinnen wieder. Sie gaben uns eine Runde Bier aus für Vaters Bike und wir feierten noch ein wenig den Sieg über die diesjährige Herausforderung. Das Team wartete noch auf seinen Aufruf zur Trikotübergabe. Sie belegten Platz 71 in der Masterwertung. Respekt! Ralf konnte kaum mehr laufen, der arme Kerl.
Ich für meinen Teil „ersäufte“ meinen Kummer in einer Flasche Vino Rosso, welche mich dann auch umgehend in mein Bett beförderte ;-D
Wir übernachteten noch in Riva auf einem stillgelegten Supermarktparkplatz, der zwar nichts kostete, dafür auch gar nichts hatte und machten uns dann am Sonntag gemütlich auf die Heimreise.
Schon da war es beschlossene Sache, dass wir nächstes Jahr wieder an den Start gehen werden.
www.team-deine-saubloede-idee.de - RELOADED.
Schließlich bin ich mir noch ein Finisher-Trikot schuldig! |